Die Wege des Fotografen, Pilgerreisen zur Wohnstätte der Götter

Geschichten von der letzten Versammlung der FARC-EP als bewaffneter Gruppierung

20/02/2017 Tag D +81

Yarí

Kreis

San Vicente del Caguán

Departement

Caquetá

Die Hände der Bauern schwangen die Macheten und durchbrachen Schlag auf Schlag den Urwald, um die heilige Pflanze der Anden zu säen. Fünf oder sechs Bauern konnten einen Hektar Urwald am Tag roden; danach verbrannten sie das Holz und brachten dort die Saat aus. Fast ein Jahr nach der Aussaat konnte die erste Ernte eingeholt werden. Pergas Vater war – oder ist es vielleicht noch – einer der Bauern, die mit der bloßen Hand die Kokablätter von den Sträuchern pflückten, so lange,bis seine Haut aufriss wie der Urwald. Die Frau jenes Bauern, so jung wie sie war, war schon wieder schwanger. Irgendwann im Mai 1983, als sie in der Hütte war, kamen die Wehen völlig unerwartet, zwei Monate zu früh, obwohl niemand so genau Buch führte. Als der Mann den Raum betrat, keuchte die Frau vor Erschöpfung. Das Kind lag neben ihr und war noch durch die Nabelschnur mit ihr verbunden.

– Du hast ja gar kein Kind zur Welt gebracht; das sieht ja aus wie ein Stück Perga.

Der Alte sprach voller Verachtung, als er das winzige violette Kind sah, das so violett war wie das Perga: Kaliumpermanganat, das harte Kristall, das verwendet wird, um Unreinheiten aus der Kokapaste zu entfernen, aber auch, um das Gift bestimmter Schlangen zu oxidieren und um die Geschwüre von Tieren zu heilen, die danach umherlaufen, ohne zu wissen, dass ihr Fell und ihre Haut violett gefärbt sind.

Das war vor 33 Jahren, und obwohl von der violetten Farbe auf der Haut nichts zurückgeblieben ist, heißt er immer noch Perga.Der Spitzname aus der Kindheit wurde zu seinem Kriegsnamen bei den FARC-EP. Mit sonnenverbrannter Haut und riesigen und rauen Bauernhänden sieht er aus dem Augenwinkel auf den Fernseher, der vor kurzem am Eingang zum Guerillalager aufgestellt wurde.Einige Männer, ein paar Frauen und ein Kind starren gebannt auf den Bildschirm, auf dem zu sehen ist, wie ein Mann in eng anliegenden Hosen akrobatisch über Autodächer springt, während er inmitten des nächtlichen Chaos einer Großstadt sein Maschinengewehr abfeuert.

Dort, neben dem Fernseher, unter der Plastikplane, die als Dach für sein Bett aus Stroh und Bambusrohr dient, wühlt Perga in Papieren und Kleidungsstücken.An einer Stange, die etwa fünf Meter entfernt ist, hängt sein Gewehr. Einige Betten weiter schläft eine junge Frau auf dem Bauch liegend. Sie trägt eine olivgrüne Hose und ein winziges rosa Hemd. Die riesige Hand eines Mannes, der neben ihr liegt, streichelt nachlässig ihren Rücken. Er sieht zu, wie die Plane im Wind hin und her schaukelt und erzählt einem anderen Mann, der fast über ihnen steht, im Flüsterton von einer lustigen Begebenheit.
Mit hochgekrempeltem T-Shirt, das seinen Bauch freigibt, zieht Perga einen Computer aus seinem Rucksack. Lächelt gibt er das Passwort ein.

– Viele sind weg. Meine Freundin, die Blonde da drüben, hat das Passwort geändert und dann vergessen. Dann hat sie versucht, den Computer mit Gewalt einzuschalten. Deshalb ist alles, was drauf war, jetzt weg. Aber jetzt habe ich neue Fotos, viele Fotos.

Perga klickt auf einen Ordner: Bäche und Wasserfälle. Er öffnet einen anderen: Hochplateaus und Felsen. Dutzende Bilder erscheinen auf dem Bildschirm. Bergketten mit abgeflachten Gipfeln. Wasserfälle, die von Steilhängen hinabstürzen. Flüsse, aus einem treibenden Kanu gesehen. Eine Frau bis zu den Hüften in einem Bach. Zwei Männer in Olivgrün lächelnd vor einer imposanten Landschaft mit fernen Bergen.

In einer der am wenigsten erkundeten Regionen Kolumbiens, vonmanchen für einen geisterhaften Überrest gehalten, durch den es möglich ist, einen Blick auf die Urzeit zu erhaschen, legte noch bis vor wenigen Monaten eine Guerilla-Einheit mit der Machete in der Hand unbeständige Wege an und folgte den wild schäumenden Flussläufen des Apaporis und des Mesay. In seinem Marschgepäck trug jeder Guerillero ein Sturmgewehr Galil Kaliber 7,62 mm, eine Pistole Prieto Beretta Cougar 8000 und eine Machete. Zur Ausrüstung von Perga gehörte aber auch eine Sony HDR-CX 405, eine kleine Videokamera, mit der man Landschaftsaufnahmen machen kann.

Perga und seine Leute gingen wie winzige Wesen durch die riesigen Sandsteinsäulen, Inseln, die sich inmitten des Urwalds gebildet hatten und die älter sind als unser kollektives Gedächtnis, uralte Riesen, Teile einer geologischen Struktur, die der weise Urahn all dessen sein könnte, was es auf der Erde gibt. Es handelt sich um eine Gruppe von „Tepuyes“, schroffe Felsformationen mit vertikalen Wänden und plateauartigen oder kuppelförmigen Gipfeln. Nach Aussage der Fachleutestammt das Wort aus der indigenen Pemón-Sprache * und bedeutet „Wohnstätte der Götter“. Die einzelnen Tepuyes bilden zusammen die Chiribiquete-Bergkette, die den kolumbianischen Amazonasurwald im Gebiet zwischen Caquetá und Guaviare durchzieht.

Die Pemón, sind ein indigenes Volk im Südosten Venezuelas an der Grenze zu Guayana und Brasilien.

Vor der Marschkolonne der Guerilleros waren auch schon andere Reisende nach Chiribiquete gekommen. Vor fast dreihundert Jahren waren es Franziskanermissionare und spanische Soldaten auf der Suche nach den scheuen Einwohnern. Hundert Jahre später traf ein deutscher Naturforscher und Völkerkundler, der die verborgenen Winkel des Amazonastieflands studierte, auf die Indigenen. Danach kamen die Kautschuk-Barone, die Sklaverei und Tod brachten und die Bewohner zwangen, die Bäume ausbluten zu lassen, um Latex zu gewinnen. In den vierziger Jahren war es Evan Schultes, der bedeutende Naturforscher, der Kolumbien und andere Länder auf der Suche nach den heiligen Pflanzen durchstreifte und schließlich den Amazonasurwald erkundete, wo er die Kautschuksorte zu finden hoffte, welche die USA aus der Krise retten würde, in die das Land während des Krieges geraten war.

Fast fünfzig Jahre vergingen, bis wieder fremde Augen die Chiribiquete-Region erblickten. Der Geologe Jaime Galvis mit seiner Kamera und der Philosoph Fernando Urbina, der sich mit dem indigenen Denken beschäftigte, sahen mit eigenen Augen die überwältigenden Jaguare, die wie Soldaten aufgereihten oder in einen magischen Trancezustand versunkenenMänner, die wilden Hunde, die Urschlange, aus der alles Leben entsteht, dies alles vor etwa 20.000 Jahren in den Felsmalereien an den gewaltigen Steininseln festgehalten. Später war es Carlos Castaño-Uribe, der Leiter der Nationalparks, der aus einem kleinen Flugzeug die endlose Weite des Berglands überblickte. Seitdem seilen sich Expeditionsteilnehmer unterschiedlichster Fachgebiete von Hubschraubern ab oder stapfen Flussläufe hinauf. Wissenschaftler haben die jahrtausendealten Felsmalereien erforscht, ebenso die Vögel, Felsformationen, Gebirgsbäche und Wasserfälle, haben Pflanzen studiert, die in keinem botanischen Werk der Welt verzeichnet sind, haben einen Teil von all dem gesehen, was die Menschen vor ihnen gesehen hatten, was auch Perga und die übrigen Guerilleros seiner Einheit später erblicken würden.

1989 wurden die Grenzen des Gebiets von Chiribiquete festgesetzt, und dieses wurde zum Nationalpark * erklärt. Nach mehreren Erweiterungen hat dieser heute die Fläche Haitis. Die Einrichtung des Nationalparks bedeutete zweifellos einen Erfolg der Wissenschaft. Sie bedeutete aber auch, dass der kolumbianische Staat nunmehr den riesigen Dinosaurier entdeckt hatte, der in seinem Hinterhof, viele Kilometer von Bogotá entfernt, im Schlaf lag.

Der Nationalpark Bergland von Chiribiquete besitzt eine Ausdehnung von 2.782.354 Hektar und ist damit das größte Naturschutzgebiet Kolumbiens. Weitere Informationen unter +WEITERE INFOS

Der Riese Chiribiquete, seine zwergenhaften Bewohner und die Felsen, auf denen diese ihre Zeichnungen als Zeugnisse ihres Daseins hinterließen, blieben dank der natürlichen Barriere des sie umgebenden Urwalds, aber auch aufgrund der Unfähigkeit des Staates, über seine Hauptstadt hinauszusehen, über hunderte, ja tausende von Jahren vor fremden Blicken geschützt. Die Unternehmer des boomenden Drogengeschäfts dagegen sahen diese Schönheiten durchaus. 1984 überflogen die Flugzeuge der kolumbianischen Polizei und verdeckte Ermittler der US-Drogenbehörde DEA das Gebiet von Chiribiquete. Sie folgten der Spur eines Satellitensenders, der in einer Ladung Äther – unverzichtbare Zutat bei der Herstellung der Kokapaste –installiert worden war und ihnen den Weg von New Jersey bis tief in den kolumbianischen Urwald gewiesen hatte. Der Äther und mit ihm die Bomben erreichten Tranquilandia, eine gewaltige Kokainfabrik, die Pablo Escobar, den Ochoa-Brüdern und Gonzalo Rodríguez Gacha gehörte. Ganz in der Nähe pflückten der Vater von Perga und andere Bauern aus seinem Dorf die Blätter, mit denen die neun Labore von Tranquilandia gespeist wurden. Nach der Verarbeitung wurde das Kokain mit Flugzeugen abtransportiert, die von den verborgenen Pisten von Chiribiquete aus starteten. Eine davon befand sich auf dem Hochplateau eines „Tepuys“. Ganz in der Nähe fand die Polizei auch Nähmaschinen und Uniformen, die allem Anschein nach den Guerilleros der FARC-EP gehörten. Aufgrund dieses Fundes wurde erstmalig für die Öffentlichkeit und die höchsten politischen Kreise die Verbindung zwischen der FARC-Guerilla und dem Drogenhandel sichtbar. Lewis Tambs, der damalige Botschafter der USA in Kolumbien, war es, der die FARC erstmalig als „Narcoguerilla“ bezeichnete.

1996 trat Perga, damals ein dreizehnjähriger Bauernjunge, in einer Ortschaft am Ufer des Río Guayabero in der Provinz Guaviare in die Reihen der FARC-Guerilla ein. Die Uniform, die er erhielt, sah genauso aus wie die zwölf Jahre zuvor in Chiribiquete gefundenen und trug die gleichen Abzeichen der Front 7 im Block Ost. Hunderte Kilometer entfernt griffen die FARC in einer groß angelegten Kommandoaktion das Militärlager von Delicias in der Provinz Putumayo an. Es gab Tote, Verletzte und vor allen Dingen sechzig Kriegsgefangene, die auf Flößen über die beiden Flüsse Putumayo und Piñuña Blanco abtransportiert wurden, von schwer bewaffneten Guerilleros streng bewacht. Einige Monate später folgte ein zweiter Angriff, diesmal auf einen Trupp der Marineinfanterie in Juradó in der Provinz Chocó. Wieder Tote, wieder Verletzte, und weitere zehn Kriegsgefangene. Die nun insgesamt siebzig gefangenen Soldaten wurden zu „Austauschbaren“, wie sie im FARC-Jargon genannt wurden, ihre Freilassung konnte nur im Austausch gegen eine gleiche Anzahl inhaftierter FARC-Angehöriger erfolgen. Nach monatelangen Verhandlungen erfolgte der Austausch tatsächlich im Juni 1997 an einem zuvor von den Streitkräften geräumten Ort in der Provinz Caquetá.Es folgten die Angriffe auf die Orte Patascoy und El Billar und schließlich auf die Antidrogenstation der Polizei in Miraflores direkt an der Hauptstraße des Dorfes. Gastanks, Mörsergeschosse und die Gewehrpatronen von Guerilla, Polizei und Armee flogen über die Dächer der Häuser hinweg.

Mehr als dreißig Jahre nach „Yari 84“, wie die Operation gegen Tranquilandia getauft worden war, und zwanzig Jahre nach seinem Eintritt in die Reihen der FARC erhielt Pergas Einheit die kleine Kamera zusammen mit sehr genauen Anweisungen. Es handelte sich um einen Auftrag, den sie erhalten hatten; es war etwas zu filmen, es war etwas zu fotografieren, der kleine Apparat, den vermutlich niemand von ihnen richtig hätte bedienen können, musste mit bestimmten Informationen gefüllt werden. Die Guerilleros bewegten sich vorwärts, vielleicht flohen sie auch, sie bildeten die Vorhut bei einer Operation, vielleicht waren sie aber auch deren Nachhut. Sie hatten ihren Auftrag auszuführen, aber womöglich war der Marsch durch den Urwald für sich genommen schon der Auftrag.

Perga ging zwischen den Anderen, hielt die Kamera in der Hand und drückte von Zeit zu Zeit auf den Auslöser. Betäubt betrachtete er die flachen Berggipfel, die wie gewaltige Steintische aussahen. Durch die Linse betrachtete er auch den Urwaldboden. Er betrachtete eine Aushöhlung im Felsen, die aussah wie das zahnlose Maul eines Untiers. Er betrachtete seine Kameraden, die vom Schleier eines stäubenden Wasserfalls bedeckt wurden. Klick, klick, klick, klick. Perga ging in einer Reihe mit den übrigen Guerilleros, und wenn jemand sie gesehen hätte, hätte er sie leicht mit den Forschern und Abenteurern früherer Zeiten verwechseln können.

Vielleicht denkt er, anders als Shultes, nicht an Gott, wenn er sich an die imposanten Sandsteinformationen erinnert, aber sicher ist er immer noch ergriffen, wenn er an den dichten Nebel zurückdenkt, der nachts die Berge einhüllt und sich bei Sonnenaufgang schon wieder aufgelöst hat. Vielleicht ahnt er, dass das Leben dort ein ganz besonderes ist, dass die Lebewesen dort gedeihen können, dass es vielleicht in keinem anderen Winkel der Natur Vergleichbares gibt. Vielleicht weiß er, dass der Boden, auf den ihre Gummistiefel getreten sind, die Wohnstätte der Götter anderer Völker war, dass er der Ort war, an dem nach den Erzählungen des Karijona-Stammes und seiner Vorfahren vor tausenden von Jahren die Welt entstanden ist.

Und wer ist jetzt der Gute?

Die Stimme des Jungen ist zu hören. Auch das Knattern einer neuerlichen Schießerei ist in dem Film zu hören, den einige Guerilleros in ihrem Übergangslager sehen. Die Kugeln aus dem Film bleiben stehen, die Szene wechselt und zeigt einen Mann mit Ehrfurcht gebietendem Aussehen, der mit einem anderen in einem Raum mit hohen Fenstern diskutiert.

Der andere, der andere ist der Gute.

Ohne den Blick vom Bildschirm zu lassen, antwortet einer aus der Gruppe der Filmzuschauer.

Wenige Meter weiter, auf dem anderen Bildschirm, erscheinen die Fotos ohne längere Kommentare des Fotografen, der sie mit dem Stolz dessen, der den Auslöser betätigt hat, vorzeigt. Auch wenn sie auf Pergas Fotos nicht zu sehen sind, ahnt der Betrachter, dass die grünen Flecken auf den Bildern Fledermäuse, Gürteltiere, Affen, Tiger, smaragdgrüne Kolibris, Riesenameisen und Kot fressende Käfer verbergen, die ihr Futter bergauf rollen.

Hinter jener Bergkette ahnt man einen Adler, der sich ins Dickicht stürzt, um ein Beutetier zu greifen, das dreimal so viel wiegt wie er selbst. Papageien in bunten Farben, gewaltige Vogelschwärme, die in schwarzer Nacht eine Höhle verlassen. Schnecken, Schmetterlinge, Otter. Tiere, die nur die Flüsse je gesehen haben, Menschen, die nur die uralten Steine je gesehen haben, ein Rauschen, das nur die Götter gehört haben, gefangen zwischen den senkrechten Felswänden.

Pergas Auge hat all dies durch die Kamera gesehen. Es hat all das gesehen, was die Fotos nicht zeigen: Gesichter, Tiere, Rauchsäulen über dem Lagerfeuer, die Überreste eines Ausbildungslagers der Guerilla, wo noch die verrosteten Einzelteileeine Gasbehälters im Unkraut zu erkennen sind. Es hat auch die Ruinen von Tranquilandia gesehen, die 32 Jahre zuvor bombardiert worden waren. Vielleicht hat Perga sogar „die Isolierten“ gesehen, jene Indigenen, mit denen noch niemand Kontakt aufnehmen konnte. So wie jene anderen Guerilleros vor vielen Jahren, Deserteure auf der Flucht durch den Urwald, die plötzlich im Gestrüpp Männer sahen, die Zeichnungen auf den Felsen anbrachten, nicht anders als ihre Vorfahren vor tausenden von Jahren. Vielleicht hat auch Perga sie gesehen, hat beobachtet, wie sie den Atem anhielten, um auch weiterhin im Schutz ihrer heiligen Stätten zu leben und nicht in die Verzeichnisse, Bücher und Vorhaben der „Weißen“ aufgenommen zu werden.

Chiribiquete hat die Götter umherirren sehen, es hat die Menschen und Tiere aus dem Wasser steigen sehen, es hat die heilige Schlange gesehen. Chiribiquete hat gesehen, wie sich das Kokablatt in Kokain verwandelt, wie es im Flugzeug transportiert wird oder den alten Kautschukrouten nach Süden folgt. Oft hat Chiribiquete das Feuer gesehen, das von den Militärflugzeugen fällt. Es hat die Männer und Frauen der Guerilla marschieren sehen, es hat das Schreien eines Neugeborenen gehört, das in den Reihen der Aufständischen zur Welt kam. Es hat drei Amerikaner gesehen und bemerkt, dass sie Gefangene waren. Seit seinem Ursprung in der Kindheit der Erde hat Chiribiquete tausende Jahre wie einen Sandsturm vergehen sehen. Chiribiquete hat Perga gesehen, mit seinem Gewehr auf der Schulter und der Kamera in den Händen.Chiribiquete hat alles gesehen, und ist selbst von fast niemandem gesehen worden. Nur Perga hat es gesehen.

Auch ihn hat fast niemand gesehen. Kaum jemand wird sein Gesicht erkennen, wenn er einmal nicht mehr seine Ausrüstung umherschleppt. Und nur ganz wenige werden wissen, wie er wirklich heißt. Wenige wissen, wer er ist, und vielleicht will auch er, wie die „Isolierten“ von Chiribiquete, den Kontakt vermeiden, um nicht in den Büchern, den Listen, den Verzeichnissen zu erscheinen. Vielleicht will er wie sie verhindern, durch ein Etikett gesehen zu werden: die Wilden, die Barbaren, der Guerillero, der Mörder.

Die hier gezeigten Fotos hat Perga mit einer kleinen Videokamera auf seinen Wegen durch den Urwald aufgenommen. Auflösung und Textur der Bilder entsprechen der Kamera. Die Einrahmungen, die der Fotograf gewählt hat, haben wir respektiert.
Zum Zweck dieser Veröffentlichung hat Crónicas Desarmadas die Fotos kuratiert und endbearbeitet.

Wir bedanken uns bei Perga, der uns bei einem Gespräch am Rande des X. Kongresses der FARC-EP großzügig an seiner Geschichte und seinen Bildern hat teilhaben lassen.